Die Zukunft der Welt und die Antwort der Kirche

Zukunft ist ein großes Wort und betrifft die ganze Welt, wird aber für mich zunächst in Deutschland konkret. Hier bringt die Zukunft typische, erwartbare Fragen mit sich. Was wird kommen und wie kann ich damit umgehen?
Nicht nur ich suche Antworten – auch wir als Kommune und Land, als Familie und Kirche. Meine These ist: Weil die Kirche aus dem Evangelium relevante und hilfreiche Antworten auf diese Fragen schöpfen kann, hat sie in der nahen Zukunft Bedeutung.

Die Zukunft bringt gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel.

Ein Beispiel: Der digitale Wandel verändert die Arbeit und die Arbeitszeit und damit die Lebensgestaltung. Einfache reproduzierbare Arbeiten werden wegfallen und die wöchentliche Arbeitszeit sich verkürzen. Emotionale Kompetenz, Kreativität und die Frage nach dem Sinn werden bedeutsamer. Glück wird auch in Zukunft nicht im Konsum von Dingen erfahren, sondern in sinnhaft gestalteter Lebenszeit. Bildung wird sich nicht im gelernten Wissen zeigen, sondern in der Fähigkeit, qualifizierte Antworten geben zu können. Menschlichkeit wird sich nicht in der Fähigkeit zu denken zeigen, sondern in emotionaler Kompetenz und Kreativität. Gerechtigkeit wird sich nicht in der Gleichbehandlung erweisen, sondern in dem Maß wie individuelle Bedürfnisse erfüllt werden.

Drei grundlegende Fragen sind dabei: Wer bin ich und womit verbringe ich meine Zeit? Was erlebe ich als sinnvoll und macht mich glücklich? Was ist Leben und wie kann ich sterben?

Das Evangelium hat Antworten, die wir als Kirche leben und kommunizieren können.

1. Wer bin ich und womit verbringe ich meine Zeit?

Beides bedingt sich wechselseitig. Es hilft sehr, wenn ich weiß, wer ich bin, denn dann weiß ich, wofür ich mir Zeit nehmen möchte. Zum Beispiel für mein Herzensanliegen. Aber die schlichte Menge wofür ich mir Zeit nehme oder nehmen muss, prägt mich. Ich werde zu dem, was ich besonders viel oder intensiv tue. Spirituelle Menschen beschäftigen sich viel mit religiösen Themen und nehmen sich Zeit für die Stille oder das Gebet. Und wer das tut, wird zu einem spirituellen Menschen. Nach einiger Zeit kann man kaum unterscheiden, ob aus dem Ei eine Henne oder aus der Henne ein Ei gekommen ist.
So oder so: Du bist, was du tust, denkst, fühlst … lebst. Darum frage ich nie nur, was ich tun will oder soll – sondern auch, was das mit mir macht.

Christen glauben, dass wir Menschen unseren Ursprung in der Liebe Gottes haben. Wir sagen: „Wir sind Gottes Ebenbild“, „ein Kind Gottes“ oder „auch in uns wird Gott Mensch“. Wenn das unser Ursprung ist und unsere Gegenwart prägt, dann ist auch für die kommende Zeit klar, dass wir nicht Spielball einer ungewissen Zukunft sind. Sondern komme, was da wolle, bleiben wir in Gott geborgen.

Darum suchen wir Ausdrucksformen und Lebensweisen, die unserem Sein entsprechen. Darum sprechen wir darüber: Wie lebst du deine Gottesebenbildlichsein? Was stärkt und was hindert dich? Was beflügelt und was lähmt dich? Und wofür willst du dich entscheiden, Zeit und Kraft aufzuwenden?

2. Was erlebe ich als sinnvoll und macht mich glücklich?

Ich liebe es, Langeweile zu haben. Denn schon bald bin ich wieder mehr bei mir und spüre mein echtes Sehnen. Und das versuche ich dann umzusetzen. Zwar will ich manchmal Zeit verplempern, weil ich keine Maschine bin, die auf Effektivität getrimmt werden soll, aber am Ende des Tages fühle ich sehr wohl, ob ich Zeit totgeschlagen habe oder zufrieden bin.

Ich weiß es genau und habe es oft genug ausprobiert: Einkaufen und mir etwas „gönnen“ befriedet mein Sehnen nur für sehr kurze Zeit. Aber ein Gegenstand, den ich häufig und mit Freude benutze, ist durchaus ein kostbarer Schatz. Manches Spielzeug liegt schnell in der Ecke – einiges Werkzeug hilft mir oft, den Tag schön zu gestalten. Aufräumen fällt mir schwer, aber wenn, dann hat es mir immer gut getan. Joggen ist mir ein furchtbarer Angang, ein Spaziergang ist für mich wie Atemholen für die Seele. Begegnungen mit Menschen, wenn wir uns wirklich treffen und nicht nur einen Raum zur selben Zeit teilen, können Herzensöffner werden und mich tief berühren. Das kann beim Bäcker sein oder im Gottesdienst, bei einer Taufe und auch am Grab. Wenn etwas von unserer Gottesebenbildlichkeit und unserer Erdverbundenheit zugleich sein darf, spüre ich dieses Geschenk Leben, bin ich glücklich.

Darum ist mir unsere Kirchengemeinde wichtig, als ein Treffpunkt und Zeitraum im Alltag. Manche musizieren und singen, manche diskutieren und schreiben, manche streichen Wände oder bemalen Papier, manche machen Pläne oder einen Podcast … Und ich darf mitmachen – so oft und so wenig ich will.

3. Was ist Leben und wie kann ich sterben?

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen“, hat John Lennon gesungen. Eine andere poetische Beschreibung ist: Leben ist der große Fluss in dem du ein Tropfen, immer Teil der Quelle und immer auf dem Weg zum Meer bist.
Jedenfalls ist Leben mehr als arbeiten und mehr als feiern. Es wäre dumm, Lebensäußerungen gegeneinander auszuspielen und kurzsichtig, nicht immer wieder auch auf das große Ganze zu schauen. „Vergiß es nie … Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, Ganz egal ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur … du kannst leben! Niemand lebt wie du.“ singt Jürgen Werth.

Als Kirche kommen wir zusammen: arbeiten und feiern, lachen und weinen, singen und beten. Wir engagieren uns für Gerechtigkeit für die Unterdrückten, sorgen uns um unseren Nächsten und Gottes Schöpfung, machen und bewahren wir Frieden mit unseren Liebsten und unseren Widersachern.

Wir wissen um den Unterschied von Körper, Denken und unserer Seele. Wir üben uns darin, den Körper nicht gering zu schätzen aber auch nicht nur im Materiellen zu leben. Wir teilen die Hoffnung auf die Auferstehung und gewinnen daraus Trost und Orientierung. Wir leben auf dieser Erde und auch schon im Himmel.

In all dem ist Kirche relevant und hat Zukunft. Hallelujah.

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