Warum bist du Christ?

Wurdest du das schon mal gefragt? Wohl eher nicht. Dabei könnte es ein spannendes Gespräch werden. Und es gibt verschiedene und gute Gründe dafür. Davon handelt dieser Artikel: Warum es klug und hilfreich ist, Christ zu sein.

Vorüberlegungen

Natürlich gibt es auch hilflose Begründungen für eine Religion, den Glauben und das Christ sein. Ich zähle dazu:

Weil es nun mal so ist.
Weil sich das so gehört.
Weil Gott das will.

Und natürlich gibt es auch vielfach vorgebrachte Gegenargumente, die gegen eine Religion, den Glauben und das Christ sein sprechen.

Weil man Religion missbrauchen kann.
Weil Glauben nicht naturwissenschaftlich zu beweisen ist.
Weil Christen Dummheiten gemacht und Schuld auf sich geladen haben.

Beim näheren Hinsehen sind das einfach Pauschalierungen oder Engführungen im Denken. Sie bedienen das Vorurteil, dass nur Menschen Christ sind, die es sein müssen, weil sie einem äußeren oder inneren Zwang unterliegen oder schlicht zu dumm sind.

Was sind nun die – zumindest aus meiner Sicht –
guten Gründe Christ zu sein?

Annäherung

Wir sind Menschen mit einem ausgeprägtem Bewußtsein und „Gefühl“ für unsere einzigartige Individualität. Und wir sind uns unserer eigenen Sterblichkeit bewusst.
Mit den Naturwissenschaften haben wir ein mächtiges Werkzeug entwickelt, die materiellen Grundprinzipien der Welt zu verstehen und unsere Welt aktiv zu gestalten. Physik und die Sprache der Mathematik antworten mir auf die Fragen: Woher ich komme, warum ich hier bin und was mit mir wird, wenn ich sterbe – aber immer nur mit Blick auf die materielle Seite meiner Existenz. Denn die Naturwissenschaften haben sich selbst die Regel gegeben, sich bei Erklärungen der Welt auf die Selbstorganisationmöglichkeiten der Materie zu begrenzen.

Das ist natürlich legitim, aber zieht eine bemerkenswerte Grenze. Ich bemühe dazu einen Vergleich: Musik gehört in das Fachgebiet der Kunst. Diese Kunst drückt sich in der Bewegung von Schallwellen aus und ich kann sie in der Sprache der Noten abbilden oder sogar planen. Aber würdest du annehmen, dass diese Kunst ohne Musiker*in entsteht, nur weil in der Natur unbewußte Geräusche vorkommen?

Menschen bestehen aus Materie, aber sie haben Emotionen und werden von Gefühlen geleitet. Phantasie und Kreativität nehmen erheblichen Einfluss auf die äußere Gestalt der Welt. Und mittels meiner Fähigkeiten stellen sich mir ganz existentielle Fragen.

Ich erlebe die Welt aus meiner ganz persönlichen Innensicht. Diese Welt ist bunt und einzigartig. Sie ist machmal lust- und manchmal leidvoll. Sie ist sehr privat und sie hat viele Brücken zu der Welt anderer Menschen. Ich bin in Resonanz und Beziehung und – irgendwann bemerke ich, dass ich sterben werde.
Ich kann diese Tasache verdrängen und ich kann die damit verbundenen Gefühle kalt stellen. Aber über kurz oder lang, in Krankheit, in Trauer, in existentiellen Herausforderungen taucht die Frage auf: Wer bin ich, wenn ich materiell nicht mehr bin?

Ich verstehe und akzeptiere, dass die modernen Naturwissenschaften darauf keine Antwort haben. Ich erwarte das genausowenig, wie ich von einer Malerin eine Erklärung für Musik oder einem Theologen eine vereinheitliche Theorie von Gravitation und Elektromagnetismus erwarte.

Aber ich verstehe und respektiere auch, dass die Theologie sich der Frage nach meinem Menschsein mit Leidenschaft und Sachverstand, aufrichtig und gewissenhaft widmet. Ich prüfe ihre Erkenntnisse, wäge ab und nutze die Ergebnisse, wenn ich frage: Welches Wissen schafft die Theologie auf die Frage nach dem Tod? Was kann ich als Christ dazu wissen?

Ein Grund Christ zu sein

Ich bin Christ, weil mich die biblische Antwort zum Leben und zum Leben über den Tod hinaus überzeugt. Diese Antwort möchte ich kurz skizzieren:

Zunächst einmal betont die jüdische Tradition, die bedrohte Einzigartigkeit und Bedeutsamkeit des materiellen Lebens: In Ps 115,17, Jes 38,18 und Sir 17,27 weisen die Menschen Gott eindringlich darauf hin, dass die Toten ihn nicht mehr loben. Es gibt in der Bibel keine leichtfertige Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus.

Zur Zeit Jesu gibt es aber sehr wohl eine Kontroverse, ob es eine Auferstehung und damit ein individuelles Leben nach dem Tod gibt. Die Pharisäer glauben das, und so wird Jesus konkret gefragt: „Was soll ich tun, dass ich das ewige Leben bekomme?Mk 10,17
Die Sadduzäer bezweifeln diese Möglichkeit und versuchen Jesus in eine absurde Diskussion zu verstricken Mk 12,18.
Die pharisäische Sicht setzt sich im Judentum durch. Im sogenannten Achzehnbittengebet heißt es: „Du bist mächtig in Ewigkeit. Herr, belebst die Toten, du bist stark zum Helfen.“ Glücklich, wer sich in dieser Überzeugung bergen kann. Aber wie kann ich sie gewinnen?

Jesus selbst ist der Grund meiner Hoffnung auf ein Leben über den materiellen Tod hinaus. Es ist auch seine Weise zu leben, aber eben nicht nur. Ich bin Christ, weil mit diesem Jesus das Leben über den Tod hinaus sichtbar geworden ist. Auf die skeptische und manchmal etwas lapidare Bemerkung: „Man könne ja nicht wissen, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, weil schließlich noch keiner zurückgekehrt sei“ – antworte ich zumeist etwas lakonisch: „Doch, einer!“ Aber woher kann ich das wissen?

Tatsächlich gibt es keinen Hinweis, dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu naiv oder leichtgläubig waren hinsichtlich seines Todes. Die Erschütterung war tief. Die biblischen Berichte lassen keinen Zweifel an der Angst und Mutlosigkeit der Jünger. Es werden keine Heldengeschichten erzählt. Jesus stirbt und mit ihm alle Hoffnung, die er verkörpert hat. Und dann?
Die erste Zeugin, dass Jesus nicht durch den Tod ausgelöscht war, ist ausgerechnet eine Frau. Mann hätte sich eine überzeugendere Zeugin gewünscht. Und dennoch:
Aus einem Haufen verzagter Männer und trauernden Frauen wird eine Gemeinschaft überzeugter ChristInnen. Sie schildern eine Erfahrung, die sie nachhaltig verändert hat. Wie viele existentiell bedeutsame Erfahrungen kann sie nicht reproduzierbar dokumentiert, wohl aber erzählt werden. So zum Beispiel die Begegnung von Maria am Grab (Joh 20) und der Jünger auf dem Weg nach Emmaus (Lk 24).

Diese erzählbaren Erfahrungen bieten eine Perspektive auf die Wirklichkeit Jesu, die das rein körperliche Leben übersteigt. Diese Wirklichkeit erschließt sich zwar nicht durch eine auf naturwissenschaftliche Betrachtung der Welt reduzierte Sicht, aber das gilt auch für das Erleben zweier Liebenden,
die Bedeutung von Schönheit,
die Kraft des Glaubens.
Die Wirklichkeit und Wirksamkeit Jesu öffnet einen Raum, in dem ich mich bergen kann. Sie weckt Hoffnung, Lebensmut und Vertrauen, die für mein Menschsein unverzichtbare Qualitäten sind.

Ich bin Christ, weil dieser Glaube mir Brücken in eine wesentliche und weite Dimension des Lebens baut. Es ist, wie mit der Musik. Ich kann sie als Modulation von Frequenzen betrachten und beschreiben. Aber mir ist es wichtiger, sie zu hören, zu fühlen und gerne auch selbst Musik zu machen. Sie weitet und vertieft zugleich mein Leben. Ich sehe keinen vernünftigen Grund darauf zu verzichten. Und du?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.