Hybrides Meeting

Analoge und digitale Kommunikations- und Arbeitsformen werden sich zukünftig häufiger mischen. Während einige Teilnehmende sich analog an einem Ort treffen, können sich andere digital dazuschalten. Was so einfach klingt, ist in der Umsetzung viel komplexer als gehofft. Es wäre einfacher, wenn sich alle analog oder alle digital treffen. Aber auch hier macht es Übung leichter. Für hybride / Mischformen stelle ich hier einige konkrete Lösungsvorschläge, Settings und Geräte vor.

Die Aufgabe

besteht darin Ton und Bild auszutauschen zwischen den Teilnehmenden vor Ort und den Teilnehmenden, die zugeschaltet werden. Vier technische Werkzeuge sind dafür nötig: Mikrofon und Lautsprecher, Kamera und Monitor und die Verschaltung der Signalwege miteinander.

Im Laptop sind alle diese Werkzeuge meistens vorhanden und müssen nur in der Software (zum Beispiel Zoom) aktiviert und miteinander verbunden werden. (Was manchmal auch nicht von alleine klappt und dann zu Störungen führt.) Im analogen Meeting und insbesondere in großen Gruppen ist der Aufwand dafür größer. Weil es mehr Geräte braucht und eigens verlegte Kabel für die Signalwege.

Das Schema für die Aufgabe

1. Zuschalten nur per Audio

Für den Informationsgehalt gilt, dass der Ton wichtiger ist, als das Bild. Es wäre also schon gut, Teilnehmende per Audio zuzuschalten. In einem kleinem Setting mit vier bis acht Menschen vor Ort reicht dafür ein Smartphone, an das eine Freisprecheinrichtung angeschlossen wird.

Der Anker PowerConf S3 (100 €) ist ein Konferenzlautsprecher mit 6 integrierten Mikrofonen, der per Bluetooth oder USB-C an ein Smartphone oder Laptop angeschlossen wird. (Und eine 3,5 mm Buchse für einen weiteren Lautsprecher vorhält aber kein Line-in für weitere Mikrofone.)

Eine Alternative ist das (ungetestete) GJWHENS Konferenzmikrofon für 150 € und das eMeet M2 (190 €), da hier mehrere Geräte miteinander über eine 3,5 mm Audiobuchse verbunden und so auch weitere externe Lautsprecher und Mikrofone angeschlossen werden können.

Eine Audiokonferenz über das Mobilfunknetz

Ich kann mit dem Smartphone jemanden ganz schlicht anrufen und dann mit „Anruf hinzufügen“ weitere Teilnehmende anrufen und so zu einer Telefonkonferenz zusammenschalten. Eine ausführlichere Beschreibung dazu hier.

Der Anker PowerConf S3 / GJWHENS dient dabei sowohl als Lautsprecher und als Mikrofon für den ganzen Raum.

Eine Audiokonferenz über WLAN

Auf dem Smartphone oder einem Laptop kann ich aber auch eine Zoomkonferenz öffnen und die Kamera ausschalten – oder – das Zoom-Meeting so konfigurieren, dass man sich per Telefon einwählen kann.
Die Teilnehmenden brauchen dann eine Telefonnummer, wie zum Beispiel die 069 3807 9883. Sie werden dann aufgefordert die Meeting-ID einzugeben z.B.: 123456789 plus Raute-Taste # und dann den Kenncode z.B.: 123456 plus Raute-Taste #

2. Zuschalten per Audio und Video

Eine hybride Lösung mit Ton und Bild ist viel komplexer. Vier Signale müssen ausgetauscht werden und es gibt dafür kein einzelnes Video-Konferenz-Gerät, welches zentral für alle in die Raummitte gestellt und ans Internet angeschlossen werden kann.

Theoretisch wäre es möglich, dass sich die Teilnehmenden an einem Ort analog treffen und zusätzlich alle mit einem eigenem Laptop oder Smartphone in eine gemeinsame Zoomsitzung einwählen, zu der auch externe Teilnehmenden eingeladen sind. Das würde aber bedeuten, dass vor Ort entsprechend viele Menschen gleichzeitig online gehen, was die Datenleitung höchstwahrscheinlich überlasten würde.

Vor Ort reicht aber ein Laptop auf dem eine Zoomsitzung läuft, wenn genügend Mikrofone im Raum verteilt, per Mischpult verbunden und an das Laptop angeschlossen werden und der Audioausgang an eine Lautsprecheranlage angeschlossen wird, sowie ein oder mehrere Kameras auf die Teilnehmenden gerichtet werden und ebenfalls an das Laptop angeschlossen werden und das Bild vom Laptop auf einen großen Bildschirm oder Beamer in den Raum übertragen wird. Ein komplexes Setting. Ich baue es hier in drei Beispielen auf.

[Die Links führen zu den Geräten auf Amazon. Wer dort kauft, kann mit smile.amazon.de zum Beispiel unsere Theologische Erlebnisausstellung Credoweg e.V. unterstützen.]

1. Für einem kleinen Stuhlkreis reicht es, an das Laptop per USB-A » USB-C Kabel eine 360° Kamera INSTA360 ONE X2 (480 €), die im Webcam-Modus gleichzeitig zwei 180° Bilder überträgt und vier Mikrofone eingebaut hat. Dann noch einen kleinen externen Lautsprecher wie den JBL GO 2 (20 €) an den Kopfhörerausgang oder per Bluetooth ans Laptop anschließen, die Geräte unter Zoom auswählen und den Monitor in die Gruppe richten.

Aufbau-Schema 1: Kleines Setting

2. Dieses Setting lässt sich für mittlere Gruppen erweitern. Wenn ein externer 50 Zoll TV (500 €) oder ein Beamer einfach per HDMI-Kabel (10 €) an das Laptop angeschlossen wird. So werden die zugeschalteten Teilnehmenden nicht nur auf dem kleinen Laptop-Monitor sichtbar. (Wenn der Abstand zu den Mikrofonen in der Kamera zu groß wird, könnte ein Funkmikrofon wie das Rode Wireless go 2 (280 €) hinzugefügt werden. Das Funk-Mikro wird herumgereicht und der Funkempfänger ans Laptop angeschlossen.)

Aufbau-Schema 2: Mittleres Setting

3. Für größere Gruppen in einem Saal
» nutze ich mehrere Mikrofone mit Mischpult über 6,35 » 3.5 mm Klinke am Laptop,
» schließe das Laptop an die vorhandene Lautsprecheranlage mit 3.5 mm Klinke » XLR und
» mehrere Kameras mit hochwertigem HDMI-Kabel (25 €) an einen Bildmischer (ATEM Mini 285 € | ATEM Mini Extreme ISO 1200 €) und den Bildmischer per USB-C » USB-A ans Laptop an.
» Das Laptop wird schließlich per HDMI an einen Beamer angeschlossen.
Es müssen „nur“ alle Geräte mit den richtigen Kabeln in ausreichender Länge, die stolperfrei verlegt sind, richtig verbunden und in Zoom ausgewählt werden 🙂

Aufbau-Schema 3: Großes Setting

Einstellungen in Lieme

Im einzelnen und ganz konkret sieht das in Lieme so aus:

Kleine Gruppen im Gemeindehaus

Das Laptop ist im Gemeindehaus mit dem WLAN verbunden und ich starte Zoom.
Vor der Leinwand mit dem Beamer ist ein Stuhlkreis gestellt. Und in der Mitte die Insta360 aufgestellt für Ton und Bild. ( Die Randkante der Kamera ist auf den Beamer gerichtet. In den Einstellungen des Kameramenü ist der WebCam Modus ausgewählt.)
Die Insta360 ist mit einem USB-Verlängerungskabel an das Laptop angeschlossen und eingeschaltet (Stromversorgung erfolgt über Akku).

Die Insta360 besitzt intern 4 Mikrofone in alle vier Richtungen der Kamera. In Zoom wähle ich deshalb unter Audio als Mikrofon die Insta360 aus.
Die externen TN können dann hören, was im Raum gesprochen wird.

In Zoom wähle als Videoquelle ebenfalls die Insta360 aus.
Die externen TN können nun in den Raum hineinsehen.

Das Laptop ist mit dem Kopfhörerausgang 3,5 mm Klinke an eine Lautsprecherbox angeschlossen. In Zoom ist unter Audio als Lautsprecher die JBL-Box ausgewählt.
Die TN im Gemeindehaus können so den/die Sprecherin hören.

Das Laptop ist per HDMI mit dem Beamer verbunden.
Ich stelle Zoom auf Vollbild und wähle Sprecheransicht.
Die TN im Gemeindehaus können auf der Leinwand den/die Sprecherin aus Zoom sehen.

Kleine oder große Gruppen in der Kirche.

Schematische Darstellung der Verbindungen

Das ist leichter, da unsere Kirche für Online-Gottesdienste mit der nötigen Technik schon ausgestattet ist.

Das Laptop ist in der Kirche mit dem WLAN verbunden und ich starte Zoom.
Für kleine Gruppen ist vor dem TV-Monitor ein Stuhlkreis gestellt und in die Mitte werden zwei bis vier Mikrofone gestellt.
Für große Gruppen ist der Beamer angeschlossen und die Mikrofone in die Kirche gerichtet, evtl. zusätzlich ein Funk-Handmikro für einzelne vortragende Sprecher*innen.

Anschluss Audio:
Die Mikrofone* sind über zwei Mischpulte an das Blackmagic ATEM Mini angeschlossen.
Das Blackmagic ATEM Mini ist von USB-C » USB-C an das Laptop angeschlossen.
In Zoom ist unter Audio als Mikrofon das Blackmagic ausgewählt.
Die externen TN können nun hören, was im Raum gesprochen wird.

Das Laptop ist von USB-A » USB C an das Rode Mischpult angeschlossen.
Der Regler für den USB-Eingangs-Pegel ist im Rode hoch gedreht.
In Zoom ist unter Audio als Lautsprecher der RODECaster Pro ausgewählt. Das Rode Mischpult ist auch an die (eingeschaltete) Lautsprecheranlage in der Kirche angeschlossen.**
Die TN in der Kirche können den/die Sprecherin hören.

Aufstellung der Kamera:
Die Kamera ist mit Weitwinkel vom Monitor aus auf den Stuhlkreis gerichtet.
[ Alternativ: In der Mitte ist die Insta360 aufgestellt für das Bild. Die Randkante der Kamera ist auf den Monitor gerichtet. In den Einstellungen des Kameramenü ist der WebCam Modus ausgewählt. Die Insta360 ist mit einem USB-Verlängerungskabel an das Laptop angeschlossen und eingeschaltet (Stromversorgung erfolgt über Akku). Ich starte Zoom auf dem Laptop und wähle als Video-Quelle die Insta360 aus.]

Anschluss der Kamera:
Eine oder mehrere Kameras (z.B. ein Smartphone mit USB-C » HDMI-Kabel) ist an den Bildmischer = das Blackmagic ATEM Mini angeschlossen.
Das Blackmagic ATEM Mini ist per USB-C mit dem Laptop verbunden.
In Zoom wird unter Video das BlackMagic als Kamera ausgewählt.
Die externen TN können nun in den Raum hineinsehen.

Das Laptop ist auch über ein HDMI-Kabel mit dem Blackmagic ATEM Mini verbunden.
An das ATEM Mini ist ein LG 55 Zoll TV bzw. ein Beamer angeschlossen. Ich gebe das Kamerasignal im ATEM Mini im PGM-Modus an den TV / Beamer aus.
Ich stelle Zoom auf Vollbild und wähle Sprecheransicht.
Die TN in der Kirche vor dem Bildschirm können den/die Sprecherin sehen.

Anmerkungen:
* In unserem Fall sind vier Mikrofone an das Mischpult RodeCaster Pro und weitere Mikrofone an ein Yamaha MG12-Mischpult angeschlossen.
Das Rodecaster ist zusätzlich an das Yamaha MG12 angeschlossen und das Yamaha MG12 zusätzlich an den Kirchenlautsprecher. So können alle Signaleingänge auch in der Kirche gehört werden.

Beide Mischpulte sind einzeln an die zwei 3,5 mm Eingänge des Blackmagic ATEM Mini angeschlossen und das Blackmagic ATEM Mini per USB-C an das Laptop.

So stehen alle Signale aus der Kirche auch im Laptop und damit in Zoom zur Verfügung. Einfach in Zoom als Mikrofon das Blackmagic wählen.

Da das Laptop per USB-A » USB-C mit dem Rodecaster verbunden ist und das Rodecaster über das Yamaha an die Kirchenlautsprecher angeschlossen ist, werden die Signale der externen TN aus Zoom auch in der Kirche hörbar. Einfach in Zoom als Lautsprecher das RodeCaster wählen.

** Das RodeCaster ist über den Kopfhörer out an das Yamaha-Mischpult der Kirche angeschlossen. Der Signaleingang (Rode) und der Signalausgang (Lautsprecher) sind beide on und ausgepegelt. Der graue Druckknopf 1-2 am Regler muss zusätzlich gedrückt = eingeschaltet sein.

Ergänzung:
Auch Musikeinspielungen können über das RodeCaster leicht verwirklicht werden.
a) über ein TRS! 3,5 mm Audio in zum Beispiel vom Smartphone aus.
(So kann auch eine Telefonkonferenz zugeschaltet werden! )
b) über das USB-C in zum Beispiel vom Laptop aus.
c) über Bluetooth auch zum Beispiel vom Smartphone aus.

Zoom-Datenschutzkonform

Zoom ist ein Konferenztool, das inzwischen sehr viele kennen und nutzen. Es eignet sich auch für Webseminare, als Lounge während der Ankommensphase vor einem Livestream-Gottesdienst oder als Klön-Raum (beispielsweise in Breakout-Sessions) in oder nach der Veranstaltung.
Mit einem AV-Vertrag (Auftragsverarbeitung) z.B. über Connect4Video ist es auch datenschutzkonform zu benutzen. Für Kirchengemeinden gibt es über die WGKD einen Rahmenvertrag. Ich empfehle den Tarif easymeet24-Pro 😉

Die Infos als Video

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