Online-Gottesdienst Schritt für Schritt IV

Die Verbindung untereinander und ins Internet

Nach Auswahl und Aufbau müssen die Geräte miteinander verbunden werden, die Verbindung ins Internet hergestellt werden und die Teilehmenden einen Zugang zum Gottesdienst finden und aufnehmen können. Drei Schritte für die es nicht nur eine Lösung gibt. So funktioniert unsere in Lieme.

1. Die Verbindung der Geräte

Wie schon beschrieben, ist die Schaltzentrale für den Ton das Mischpult. Für die Kameras und die Verbindung mit dem Mischpult ist es der Atem Mini. Auch die nötigen Kabel habe ich schon beschrieben und beispielhaft verlinkt. Nun würde es reichen, das Atem Mini mit einem LAN-Kabel mit einem Internet Router in der Kirche zu verbinden und direkt auf Youtube zu streamen oder an das Atem Mini per USB-C Kabel eine SSD-Festplatte anzuschließen und den Gottesdienst aufzunehmen, nachzubearbeiten und von einem PC hochzuladen.

Sowohl für die Einrichtung oder Anpassung des Atem Mini und das Rodecaster Mischpult aber auch zum Einspielen von Präsentationen und ggfs. die Lichtsteuerung braucht es immer wieder ein Laptop.
Es eignet sich zum Beispiel ein generalüberholtes Business-Laptop wie das Lenovo ThinkPad T460 für 650 € statt 1000 €.
Mit LTE ausgestattet, bietet es eine zusätzliche Verbindungsmöglichkeit ins Internet und kann auch mobil zum Streamen eingesetzt werden. Aber an jedes Laptop kann auch ein externer LTE-Router angeschlossen werden (siehe unten). In beiden Fällen wird eine SIM-Karte eingesteckt und mit dem entsprechenden Vertrag bist du ebenfalls online.

Befinden sich das Atem Mini und eine weiteres Tablet im selben W-LAN- Netz gelingt auch die Fernsteuerung des Atem Mini vom Tablet aus. Du kannst zum Beispiel das Atem Mini an eine FRITZ!Box 4020 für 45 € anschließen und dich mit dem Tablet per internem WLAN mit der Fritz!Box verbinden. Ich nutze dazu die sehr einfache App METAControl. Gegegbenenfalls ist die Konfiguration der internen Vernetzung ein guter Grund einen fachkundigen Menschen zur Installation hinzuzuziehen.

Zubehör:

Für die Netzwerkverbindung braucht es noch LAN-Kabel. Es gibt verschiedenen Standards, Längen und Ausführungen. Wir kommen sehr gut mit diesen flachen Kabeln zurecht. Investitionsaufwand ca. 40 €.

2. Die Verbidnung ins Internet

Bislang gab es kaum einen Grund ein Telefonkabel für einen DSL-Anschluß in eine Kirche zu legen und oft geht es auch nicht.
Wenn es am Standort LTE-Empfang gibt, kann ich entweder ein Smartphone als WLAN-Hotspot nutzen oder einen LTE-Router AVM Fritz!Box 6820 LTE für 120 € (oder evtl. dies Gerät mit AKKU für 80 € mit einem 20 Meter-LAN- Kabel vor die Kirchentür gestellt). Eine Minute Youtube-Video in HD-Qualität erzeugt ca. 15-30 MB-Datenvolumen, 30-60 Minuten also rund ein GB. Der Mobilfunkvertrag sollte dafür ein entsprechendes monatliches Datenvolumen enthalten.
In Lieme können wir das sehr freundliche Angebot eines Nachbarn nutzen, der uns Freifunk über eine Funkstrecke zur Verfügung stellt.

Habe ich Zugang ins Internet brauche ich eine Adresse, unter der ich die Videos veröffentliche. Dazu brauche ich einen Anbieter, Host (Gastgeber) genannt. Das könnte die eigene Webseite sein, deren Server aber nicht für den Datendurchfluss von Videos ausgelegt sind.
Professionelles Hosting für Videos bieten zum Beispiel Youtube und Vimeo, oder Facebook, Instagram und Twitter aber auch Spezialisten wie Twitch und Wistia. Für die Auswahl sind nicht nur die Kosten relevant, sondern auch die Zielgruppe, die ich erreichen möchte und über den jeweiligen Anbieter erreichen kann.

Wir nutzen Youtube. Dazu habe ich ein Konto angelegt und einen Kanal eröffnet mit einer speziellen Playlist: » Unser Beispiel.

Mit dem Anlegen eines Kanals ist es aber nicht getan. Man muß sich auch mit der Logik des Algorithmus von Youtube auseinandersetzen. Dieses Wissen kann man sich bei Profis einkaufen oder sich selbst beibringen. Das bedeutet tatsächlich viel Einarbeitungszeit. Zum Lernen ist der Kanal „So geht Youtube“ eine umfangreiche, kompetente Infoquelle.

Für Youtube spricht:
+ die hohe Erreichbarkeit auf vielen Geräten vom PC, Smartphone bis zum Fernseher und dass viele Menschen es als Suchmaschinen nutzen. So führt zum Beispiel auch die Eingabe der Suchbegriffe „Kirche Lieme“ zu unserem Kanal.
+ Youtube bietet mir sehr viele Analysen an: wann, wie lange, von wo … die Videos gesehen wurden.
+ Youtube ist kostenlos

Gegen Youtube spricht:
Youtube ist kostenlos, das heißt: Ich bin das Produkt mit dem Youtube Werbeeinnahmen verdienen will. Mittlerweile kann Youtube ohne meinen Einfluss Werbung vor und in jedes Videos einfügen.

Sowohl als auch bedeuet Youtube:
+/ Der Algorithmus bestimmt welche Videos neben meinem erscheinen und neben welchen Videos mein Video erscheint. Das hängt natürlich vom bisherige Verhalten der Nutzer*innen ab und kann sich wunderbar ergänzen oder befremdlich wirken, wenn nach dem Gottesdienst z.B. ein Katzenvideo vorgeschlagen wird 🙂

3. Der Zugang für die Teilnehmenden

ist auch analog nicht selbstverständlich. Wer einen Gottesdienst in der Kirche mitfeiern möchte, muss es wollen, aber dann auch können. Ich muss wissen, wo die Kirche steht, wie ich dort hinkomme, wann sie geöffnet ist, was mich dort erwartet … und mich über die Schwelle trauen. Das sind viele Hürden.
Auch bei einem Online-Gottesdienst muss ich Hürden überwinden:

  1. Ich brauche ein internetfähiges Gerät: PC oder Laptop, Tablet oder Smartphone, oder einen Smart-TV oder TV mit Fire TV Stick für 36 €.
  2. Ich muss das Gerät bedienen können.
  3. Ich muss den Gottesdienst finden.
  4. Ich muss informiert werden, wann ein neuer Gottesdienst angeboten wird.

Die Punkte 1+2 müssen die Teilnehmenden selbst lösen bzw. mit Unterstützung von Freunden und Familie. Bei den Punkten 3+4 kann und soll ich als Gemeinde aktiv sein.

Präsenzveranstaltungen haben auch schon immer davon gelebt, dass man darüber spricht und schreibt – also informiert wird. Auch für digitale Angebote braucht es Überlegungen und Bemühungen zur Kommunikation. Und die scheitert selten an der Technik und häufig an fehlenden Kommunikationswegen. Diese Wege können:

  1. Der Schaukasten und Gemeindebrief mit einem regelmäßigen Link bzw. QR-Code sein.
  2. Die Webseite mit einem aktuellen Link oder eingebetteten Video.
  3. Ein regelmäßiger Newsletter mit aktuellen Informationen und einem Link.
  4. Ein eigener Social Media Kanal, den die Gemeinde pflegt
  5. Postings bei Facebook, Instagramm und Messenger-Nachrichten, die die Teilnehmenden selbst weitergeben

Das muss nicht alles und auch nicht alles gleichzeitig passieren, aber ohne Hinweise und Benachrichtigungen ist ein Gottesdienst in der Kirche wie eine geschlossene Gesellschaft und ein Online-Gottesdienst wird genauso übersehen, wie ein Gutschein in einem Stapel Altpapier. Und das wäre doch sehr sehr schade nach all den Vorbereitungen.

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