Mitgliederorientierung

Vorüberlegungen: Auf der Lippischen Synode werden wir das Thema Mitgliederorientierung diskutieren.

Ich verstehe darunter die Ausrichtung unserer Arbeit an den Bedürfnissen der Mitglieder in unserer Region in ihren unterschiedlichen Milieus. Ich finde das wichtig und relevant.
Dazu gehört aber auch die Frage, welches Angebot Kirche hat = was unser Markenkern ist, der uns wiedererkennbar macht und von anderen Sinn- und Gemeinschafts-Anbietern unterscheidet?

Der Heidelberher Katechismus formuliert in der Frage (HK1):
„Jesus Christus ist mein einziger Trost im Leben und im Sterben.“
Das ist -vorsichtig gesagt- sehr selbstbewusst und in unserer Gesellschaft zunehmend bestritten – aber hoffentlich oft einfach nur unverständlich.
Darum übersetze ich:
Christus ist der grundlegende und unverbrüchliche Grund für meine fröhliche Zuversicht und meinen bergenden Trost in allen Lebensbezügen und sogar im Sterben.

Die Aufgabe von Kirche ist dann schlicht zu helfen, diesen Glauben immer wieder neu spürbar, sagbar und lebbar werden zu lassen – in allen Formen des Kircheseins.
Deshalb und so feiern wir in Lieme Tauf- und Trauergottesdienste
Deshalb und so feiern wir Gottesdienste an den Übergängen des Lebens: Zur Begrüßung und Abschied in Kita, Schule und Pubertät (KonfiZeit), zum Geburtstag, zum Eintritt in das Berufsleben und in den Ruhestand.
Deshalb und so feiern wir Weihnachten, Ostern und Pfingsten.
Deshalb und so bieten wir Treffpunkte am Sonntag und in der Woche an, wo Menschen sich selbst organisieren können (allgemeines = selbständiges Christsein der Getauften und Konfirmierten).

Früher taten wir das oft stellvertretend für das „Volk“ um einen Kirchturm — zukünftig dürfen wir uns zusammentun und ergänzen – aber bitte vernetzt und koordiniert – weil wir uns entlasten müssen und weil es den anstehenden Aufgaben entspricht.

Ich bin überzeugt, dass wir als Synode aktuell die Aufgabe haben, die Rahmenbedingungen zu schaffen für eine Reformation des Kirchesein im 21. Jahrhundert.

  • Dazu braucht es ein konstruktives Ringen um die Mitte unserer Aufgabe (siehe HK1)
  • dann den schmerzlichen Abschied von vertrauten Strukturen, die die Wirksamkeit dieser Mitte verhindern (kirchliche Brauchtumspflege)
  • und zugleich den Mut uns selbst in unseren Traditionen und Strukturen aus dieser Mitte heraus zu erneuern.

Das ist eine komplexe Aufgabe. Also nicht kompliziert, aber eben nicht mechanisch oder in Kausalitäten gedacht lösbar. Unsere Gemeindeangebote sollten diese Komplexität spiegeln. Es geht nicht um Einzelfragen, um wieviel Uhr und wie oft wir in welcher Liturgie Gottesdienst feiern, ob wir einen Newsletter pflegen oder nur Gemeindebriefe veröffentlichen … Es geht um das große Ganze, die Rahmenbedingungen von Kirchengemeinden und wirksame Impulse. Darüber möchte ich diskutieren.

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Auf der Synode hören wir dann am 10. Juni einen inspirierenden Vortrag von Prof. Tobias Faix (Kassel). Er schärft unser Bewußtsein, dass wir auf Augenhöhe der Mitglieder immer wieder erst einmal eine gemeinsame Sprache finden müssen. Das heißt zuerst mehr hörende Kirche werden: Welche Sinnfragen stellen die Menschen und wie formulieren sie ihre Antworten. Mehr hybride Angebote schaffen, um Schwellen zu senken zu unseren Formen des Kircheseins. Und vor allem mehr Beteiligungen schaffen für kirchennahe und kirchenferne Mitglieder.

Einiges davon praktizieren wir in unserer Kirchengemeinde (vgl. auch mitKirche.de). Durch unser Gottesdienstteam, den Ansatz der Mitmachgottesdienste und unsere Haustaufen. Und der Vortrag ermutigt mich auf diesem Weg weiter zu gehen.

Also noch mehr Gespräche zu führen darüber, was uns existentiell angeht und welche Lösungen Kinder, junge Erwachsene und Eltern suchen oder gefunden haben. Zum Beispiel

  • mit den Eltern im Kindergarten
  • in der Konfizeit mit den Jugendlichen und ihren Eltern
  • in Tauf- und Traugesprächen

Und unsere Gottesdienste mit noch mehr Elementen so gestalten, dass Menschen in der Vorbereitung oder in der Feier beteiligt werden mit eigenen Beiträgen vor Ort, hybrid und online. Zum Beispiel

  • in der Auswahl der Musik
  • beim Ankommen und Willkommen
  • mit feierlichen Ritualen, die unsere Wahrnehmung für Gott stärken
    z.B. im Umgang mit unserer Friedenskerze, beim Beten und Segnen
    beim Abendmahl oder einer Kurzmeditation mit Blick auf unser Christusfenster
  • mit Gesprächszeit im Gottesdienst
  • mit Gebetsanliegen in Stichworten
  • mit Erkenntnisinterviews (statt vorformulierten Glaubensbekenntnissen)
  • mit (online)Pinnwand für Suche- Biete Projektideen

Kirche sein kann so spannend sein.

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