Mastodon und das Fediversum

Schon seit längerem habe ich mich beim “Mikroblogging-Dienst” Twitter nicht mehr wohl gefühlt. Die Schlagzeilen zur Übernahme und dem Vorgehen von Elon Musk haben den Stein ins Rollen gebracht. Dann fand ich einen Hinweis auf eine Alternative im “Fediverse”. Viel Neuland, aber nach ein paar Recherchen habe ich mich auf den Weg gemacht. Von den ersten Eindrücken und Fundstücken eines Umsteigers handelt dieser Beitrag.

Ich wußte bis vor Kurzem nicht, dass es da mal ein Mammut gab, dass seit 2016 Namensgeber für eine Plattform zum Austausch von Kurznachrichten (mit Toots statt Tweets) dient. In 1 Minute fasst das ZDF am 28.10.2022 zusammen, worum es geht. Auf YouTube hat mich Florian Dalwigk in 17 Minuten über Mastodon aufgeklärt und ein 1 Stunden Vortrag von Peter Welchering über das Fediversum.

Mein erster Blick

Nun war ich neugierig und habe mich probehalber einfach umgeschaut bei https://mastodon.social/explore und mein erstes Aha-Erlebnis ist die Timeline, die auf unterschiedliche Weise zusammengestellt wird, je nachdem ob ich *Entdecken, *Lokale Timeline oder *Föderierte Timeline auswähle. Was ich zu sehen bekomme, steuert also kein Algorithmus, sondern ich. Das gefällt mir! Aber das ist zu Beginn auch ein wenig verwirrend … also versuche ich die Fäden zu sortieren:

*Entdecken zeigt dir Beiträge, welche von den ModeratorInnen deiner Instanz moderiert werden.
Die *Lokale Timeline zeigt chronologisch sortiert nur die Beiträge auf deiner Instanz“,
die *Föderierte Timeline alle Beiräge aller Instanzen, mit denen der/die Admin von deiner Instanz sich verbunden hat.
Wenn du angemeldet bist, gibt es zusätzlich eine Timeline *Startseite, in der nur die Beiträge (Tröts 😉 der @Menschen erscheinen, denen du folgst.
Es gibt auch die Möglichkeit, eine weitere Timeline zu erstellen für alle Hashtags, denen du folgen möchtest [siehe unten.]

Dezentrale Instanzen bilden eine Föderation

Instanzen sind also wichtig. Es sind dezentrale, eigenständig betriebene Server von kleinen bis großen communities (Gemeinschaften), die als Mastodon-Welt im Fediversum verbunden sind.
Du wählst dir also für deinen persönlichen Mastodon-Zugang eine Instanz aus. Nun kannst du sowohl nur innerhalb dieser Interessensgruppe aber auch mit vielen anderen kommunizieren.

Welche Instanz wähle ich?

Um eine Instanz zu finden, gibt es ein Such-Tool.
Die Instanz auf der ich mich wohl fühle, ist https://kirche.social
(Die Spielregeln und der Verhaltenskodex zum Nachlesen.)

Sie erscheint nicht (warum?) im offiziellen Such-Tool, allerdings in dieser Liste deutschsprachiger Instanzen. Die Anmeldung ist kostenlos, muss aber vom Administrator genehmigt werden, was bei mir spät abends und in wenigen Minuten erfolgte.

Wer eine Instanz mit regionalem Bezug sucht, findet sie hier auf dieser » Karte

Mein Mastodom-Account

Ich brauche eine echte E-Mail-Adresse, einen frei wählbaren Namen und ein Passwort. Ist mein Account freigeschaltet, kann ich einen Klarnamen, Titelbild, ein Profilbild und eine Kurzbeschreibung hochladen.

In meinem Fall ist mein Konto bei der Mastodom-Instanz @kirche.social
und mein Mastodom-Name @derTheoloog.
Damit bin ich weltweit unter https://kirche.social/@derTheoloog erreichbar (wobei der Name dargestellt wird als @derTheoloog@kirche.social).

Nun kann ich mich in jedem Web-Browser oder mit einer App anmelden, lesen und schreiben (tröten).
Von den vielen Apps habe ich zunächst Tusky ausgewählt, aber arbeite zunächst mehr am PC-Browser.

Beiträge lesen

Beiträge erscheinen in unterschiedlichen Timelines [siehe oben].

Ich kann die Beiträge lesen und dann:

antworten = einen Gesprächsfaden beginnen oder daran teilnehmen,
teilen (boosten) und damit auch für die sichtbar machen, die mir folgen,
favorisieren (liken) und damit den Beitrag unter Mitteilungen meiner Instanz sichtbar machen,
als Lesezeichen aufnehmen,
aber auch zukunftig stummschalten = ausblenden.

Beiträge schreiben

Das Bloggen von Beiträgen heißt englisch “Toot” bzw. deutsch “Tröt“. Ich finde es angenehm, dass ein Toot 500 Zeichen (bei manchen Instanzen auch mehr) haben darf,
und damit lesefreundlich kurz aber etwas ausführlicher formuliert werden kann.

Hashtags sind wichtig, um sich über Themen zu verbinden.
Die Auswahl der Sichtbarkeit gilt für die unterschiedlichen Timelines.

Und gebe ich nur einen bzw. mehrere @Namen an, wird es eine “private” Diskussion, die aber nicht verschlüsselt ist.

Meine ersten Tage

Es fängt sehr freundlich an mit ersten Reaktionen aus der Community auf “meiner” Instanz. Und mit den erstem Stöbern und Lesen finde ich einige (Ex-)Twitterer, aber auch neue interessante BloggerInnen.

So stoße ich auf Nele, die einige Blogartikel verfasst hat zu Zugängen und Hintergründen der Plattform Metadon im Fediversum. Zum Beispiel die Klickschulung für Mastodon.

Bei Thomas Ebinger (Moderator) finde ich einen wichtigen Tipp, um meine Timeline persönlich anzupassen: “Man aktiviert zuerst in den Einstellungen bei “Aussehen” die erweiterte Benutzerobefläche, sodass es mehrere Spalten gibt. Dann sucht man den gewünschten Hashtag, klickt in der Spalte rechts oben auf das Einstellungsmenü und klickt dann auf “+ Anheften”. [» Zitatquelle]

Ich probiere den Tipp gleich aus und habe nun meine Hashtags besser im Blick. Und nochmal: Ich finde es großartig, dass nicht ein Algorithmus sondern ich selbst meine Timeline gestalten kann.
[In der neuen Mastodom-Version wird man Haschtags auch direkt folgen können.]

https://www.youtube.com/watch?v=RVCabP2ycNE

Und nun werde ich weiter lesen, was auf Mastodon zu # digitaleKirche, # Theologie und überhaupt so getrötet und diskutiert wird 🙂

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