KI klingt nach Robotern und elektronischen Gehirnen – aber manchmal übersieht man die Datenverbindung dabei. Als Pastor beschäftige ich mich viel mit den Dingen, die man nicht sieht, die aber trotzdem unser Leben bestimmen. Bei der Künstlichen Intelligenz (KI) ist das ganz ähnlich. Sie fällt nicht einfach vom Himmel; sie hat eine Bodenstation – das Internet.
Teil 1: Ein kurzer Blick zurück – Wo kommt das alles her?
Erinnerst du dich noch an die 90er? Das Internet war damals wie eine junge Gemeinde im Aufbruch: ein bisschen chaotisch, aber voller Freiheit. Das World Wide Web (WWW) wurde eigentlich erfunden, damit Forscher ihre Daten leichter teilen konnten. Es war die Idee eines weltweiten Netzes, in dem jeder mit jedem verbunden ist.
Aber damit du heute dieses Video schauen oder diese Zeilen lesen kannst, braucht es einen Ort, an dem diese Informationen physisch liegen. Das ist die „Cloud“. Aber die Cloud ist keine fluffige Wolke im Himmel, sondern sie steht ganz fest auf der Erde. Es sind riesige Hallen voller Datenserver – im Grunde hunderte Festplatten, die Tag und Nacht surren. Ohne diese „digitalen Gedächtnisspeicher“ gäbe es kein Internet und erst recht keine KI. Denn KI ist im Kern nichts anderes als Mathematik, die auf gigantischen Datenmengen herumrechnet, die auf genau diesen Servern liegen.

- Cloud (Daten)-Wolke, zentrale Speicher für große Datenmengen. In USA sind Google und Amazon große Anbieter, in Deutschland Telekom und die Firmengruppe von Schwarzkopf. Für Privatanbieter gibt es Angebote Google: Drive oder Google One, Microsoft: OneDrive aber auch den schweizer Anbieter mit Fokus auf Datenschutz die pCloud (Mein Tipp :-).
- Lokal. Natürlich kann man auch Daten direkt im PC speichern auf der mechanischen Festplatte (HDD) oder einer SSD (Solid State Drive). Kleine lokale Festplatten können auch zu einem größeren Datenspeicher zusammengefasst werden und als NAS (Network Attached Storage) verwaltet werden. Und man kann dort auch eine eigene Cloud installieren zum Beispiel die Nextcloud.
Teil 2: Wenn das Netz zu eng wird – Zentralisierung und Durst
In der Anfangszeit war das Internet dezentral. Jeder konnte sein eigenes kleines „Haus“ (seine Webseite) bauen. Heute sieht das anders aus. Wir erleben eine enorme Zentralisierung. Ein paar wenige, riesige Firmen besitzen fast alle wichtigen „Grundstücke“ und Serverfarmen. Das ist ein bisschen so, als gäbe es in der ganzen Stadt nur noch ein einziges großes Kaufhaus und der Marktplatz davor gehört auch dem Besitzer. Wir machen uns dadurch natürlich abhängig.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Appetit: Diese riesigen Rechenzentren haben einen gewaltigen Energiehunger. Sie müssen gekühlt werden, sie brauchen enorme Mengen Strom . Als Christ denke ich da sofort an unsere Verantwortung für die Schöpfung. Fortschritt ist toll, aber wir müssen uns fragen: Zu welchem Preis? Wenn das Training eines einzigen KI-Modells so viel Strom verbraucht wie eine Kleinstadt im Jahr, dann sollten wir zumindest mal kurz innehalten und darüber nachdenken, wie wir das nachhaltiger gestalten können. Und auch bei der Nutzung muss man nicht immer eine KI anschmeißen, wenn ein Blick in Wikipedia reichen würde.
- Eine große LLM braucht mal locker 500 GB von dem schnellen aber teuren Speicher, der auch auf Grafikkarten verbaut ist. Das sind dann ca. 250.000 € Anschaffungskosten (für entsprechend viele NVIDIA DGX H100).
- Kleinere Sprachmodelle wie Lama3 laufen auch in einem einfachen Modus auf einem Haus-PC mit einer 12 GB VRAM, ca. 400 € im höheren Modus braucht sie mehrere Karten mit 24 GB VRAM für je ca. 3500 €. Das wird sehr schnell unwirtschaftlich.
Teil 3: Wer hat das Sagen? USA, China und wir in Europa

Momentan sieht es auf der digitalen Weltkarte so aus: Die USA haben die coolsten Tools und das meiste Geld, China hat die meisten Daten und die strengste Kontrolle. Wir in Europa stehen oft daneben und schauen zu. Das ist manchmal frustrierend, fast wie bei David gegen Goliath – nur dass Goliath diesmal zwei Köpfe hat.
Aber ich bin optimistisch: Unsere Chance in Europa ist nicht unbedingt, das nächste noch größere Facebook zu bauen. Unsere Stärke sind unsere Werte. Wir haben ein Verständnis von Datenschutz, von Würde und von Freiheit, das es so woanders kaum gibt. Wenn wir es schaffen, eine KI zu entwickeln, die den Menschen dient und nicht nur dem Profit oder der Überwachung, dann haben wir etwas gewonnen, das man mit Geld nicht kaufen kann. Wir können die „Technik mit Seele“ gestalten – konstruktiv, kritisch und menschlich.
KI ist ein Werkzeug, genau wie ein Hammer. Man kann damit eine Kirche bauen oder eine Scheibe einwerfen. Ich möchte dir helfen, den Hammer so in die Hand zu nehmen, dass dein Alltag ein Stück leichter wird, ohne dass wir dabei unsere Werte aus den Augen verlieren.
Wörterbuch der KI
Ich habe auch einen Artikel geschrieben mit Erklärungen wichtiger Begriffe, um KI besser zu verstehen. Und hier geht es weiter:


